Samstag, 20. Oktober 2012

пол и сексуа́льность


Gender und Sexualität - Einige Erlebnisse und Annas Frage nach der Geschlechterrolle in Deutschland haben mich veranlasst hier einmal etwas über meine Erfahrung mit Gender und auch mit Sexualität in Belarus zu schreiben.

Wie sagte Johanna es so schön: „In Minsk ist man keine richtige Frau wenn man keine hohen Schuhe trägt.“ Und es ist etwas Wahres daran, denn Turnschuhe sind bei den Frauen hier nicht sonderlich verbreitet. Wenn schon flach, dann doch wenigstens Stiefel bis zu den Knien hoch, aber die meisten tragen hohe Schuhe. Und um das Klischee vollständig zu erfüllen dazu doch bitte einen engen kurzen Rock (die Treppenstufen sind hier unglaublich flach und ich habe die Theorie, dass die Belarussinnen ansonsten mit ihren engen Röcken da nicht hochkämen), eine Nylonstrumpfhose, einen Mantel mit Fell und lange Haare.
Man schafft es mit unserem Kleidungsstil häufiger Gesprächsthema zu werden. Die Verkäuferinnen des Second Hand Ladens waren wirklich sehr amüsiert, als Julia und ich nur die Männerschuhe anprobierten und neulich wurde ich an der Bushaltestelle von einer Frau gefragt, ob ich Künstlerin sei, mein Kleidungsstil würde darauf schließen lassen. ;OP
Natürlich sind hier nicht alle so, denn „es gibt jene und solche und dann gibt es noch ganz andere aber das sind die schlimmsten.“ (Marc-Uwe Kling)

Emanzipation als Nebensache. Frauen dürfen keine Busse fahren und hilfsbereite Männer stehen im Ansehen häufig eine Stufe höher als hilfsbereite Frauen.
Besonders stark vertritt man die Geschlechterrolle. Frau oder Mann, das sollte Eindeutig sein. Und Homosexualität ist zwar gesetzlich nicht verboten, aber die ungeschriebenen Regeln der Gesellschaft sagen etwas anderes. Man kann hier durchaus als Homosexueller Leben, es gibt „Schwulenpartys“ und auch auf der Straße begegnet man gelegentlich Homosexuellen. Dabei begegnet man dem Thema schwul sein häufiger als lesbisch sein, denn Frauen die sich küssen, das sind doch bloß Freundinnen oder nicht?
Viele Belarussen haben eine Art der Homophobie aber wer kann es ihnen übel nehmen, wenn sie nie gelernt haben damit umzugehen? Doch es wird Zeit dafür, denn Akzeptanz findet man hier nur in bestimmten Kreisen in anderen ist die Abneigung beherrschend. Im Krankenhaus gibt es ein Mädchen, dass seit sie 4 ist ein Junge sein möchte, heute ist sie/er 14 und die Mutter akzeptiert die Neigungen des Kindes, andere nicht. „Es ist schade, dass kein Vater mehr in dieser Familie lebt, denn die Mutter hat einen Fehler gemacht und der Vater hätte das verhindert, aber vielleicht bis das Kind 18 oder 20 ist da kann man es noch verändern, kann man alles wieder richtig machen.“

Wer akzeptiert werden will, der ist besser „normal“ ohne komische Neigungen, Behinderungen oder ähnliches, der zeigt sein Geschlecht durch seine Kleidung, sein Verhalten und ist eben, ganz nach dem kommunistischen Gedanken der Gleichheit, wie alle.

Unter jungen Menschen gehört die „richtige“ Sexualität zum Alltag, es ist eben ein Teil des Lebens. Bei den Kindern und jungen Erwachsenen im Heim ist es verboten!
Der Erregung und Befriedigung wird jede Art der Natürlichkeit abgesprochen. Wenn ein Junge im Pubertätsalter masturbiert, dann wird er dafür geschlagen oder die Windeln werden einfach so fest gebunden, dass er keine Chance mehr hat.
Auch auf der Mädchenstation spielt Sexualität eine große Rolle. Die Kinder lernen aus dem Fernsehen, denn Soaps sind eine der Lieblingsbeschäftigungen der Sanitakas. Küssen ist wohl eine der alltäglichen Sachen und vielleicht kann man es auch zu einer Art mütterlichen Fürsorge zählen, aber das ist noch das geringste. Manche Kinder reagieren bereits auf zärtliche Berührungen. So zum Beispiel eines der blinden Mädchen, vermutlich ist ein über den Rücken streicheln eine Erfahrung die sie selten oder nie macht, ihre Reaktion darauf: der Griff unter das Shirt zur Brust, dann in den Schritt.
Auch eng umschlungenes tanzen oder Händchen halten hat ihnen das Fernsehen gezeigt, dabei spielt hier das Geschlecht jedoch keine Rolle. Es ist nicht wichtig ob man männlich oder weiblich ist, sondern nur dass man irgendwie diesem Gefühl, diesem Trieb nachkommt.
Normalerweise werden solche Dinge sehr schnell unterbunden, um so schockierender war für mich ein Erlebnis was ich machen musste, als keiner der Mitarbeiter mehr auf der Station war, als die Kinder sich gegenseitig „betreuten“. Ziemlich schnell lagen 2 Mädchen auf dem Boden, das eine eher mit einer „maskulinen Art“ und stark und bestimmend, das andere nicht fähig sich zu wehren, schwach und irgendwie zurückgelassen. Sie wurde auf dem Boden abgeküsst und umarmt und gedrückt. Nachdem sie aufgestanden waren, habe ich sie eine Weile später auf einem der Sofas liegen sehen, die kleine war wehrlos den Küssen, den Berührungen ausgeliefert, verstand wohl auch nicht was da passierte. Als ich näher komme sehe ich, dass auch ihr Hose runtergezogen ist, dass sie untenrum nackt ist - die Große liegt auf ihr.

Es ist schockierend und schwer, aber diese Kinder wissen es nicht besser, sie lernen nicht mit ihrer Sexualität umzugehen, sie können sich nicht ausprobieren also tun sie, wenn sie doch einmal können, das was sie woanders sehen, wozu der Trieb sie bringt und ich möchte mir gar nicht vorstellen wohin das führen kann.


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